Main contents

Und dann auch noch Finanzkrise

October 31st, 2011

Die aktuellen Schlagzeilen werden von einer lösbaren Krise, der Finanzkrise beherrscht. Die Finanzkrise ist eine Krise die unser politisches und ökonomisches System hervorgebracht hat und die auch dort gelöst werden könnte. Konservative Ökonomen wollen Staaten und Banken pleite gehen lassen, progressivere lieber in ein oder der anderen Weise Geld drucken. Beide Seiten scheinen sich aber einig zu sein, dass die Krise im Kern aus zu vielen Schulden besteht. Es kostet deshalb nicht mehr als eine Unterschrift unter ein Gesetzestext um die Krise zu beenden. Gleichzeitig gibt es aber nicht nur eine, sondern eine ganze Reihe von Herausforderungen die in diesem Jahrzehnt nicht ignoriert werden können. Diese Krisen sind lange bekannt, ohne das ernsthaft etwas unternommen worden ist.

DieWaldbrand im Bitterroot National Forrest erste dieser Krisen ist der Klimawandel, eine globale Krise, die auf fast jeden Bereich der Politik Druck ausübt. Der Klimawandel wird nur selten akut, betrifft aber als globale Krise fast jeden Aspekt der Politk. Wir könnten uns an den Wandel anpassen, mit höheren Spundwänden gegen Sturmfluten, einer Veränderten Ackerfolge und besseren Bewässerungssystemen gegen ausbleibenden Regen und einer Fülle anderer Maßnahmen. Es muss aber passieren. Der Klimawandel ist darüber hinaus keine neue Entdeckung, die ersten Berechnungen stammen aus den siebziger Jahren, das IPCC wurde bereits Ende der achtziger Jahren gegründet.

Dazu kommt eine Energiekrise, „Peak Oil,“ das Ende des billigen Öls. Vor zehn Jahren kam das meiste Öl aus Feldern die einfach zu fördern sind, heute wird begonnen Ölsande und Tiefsee-Öl zu fördern, die weniger Ertrag für die eingesetzte Energie und die eingesetzte Arbeitskraft bieten. Daraus entsteht eine Krise, weil ein immer größerer Teil der globalen Wirtschaft auf die Energiegewinnung verwendet werden muss. Es kann also weniger Produziert werden. Das uns eines Tages das Öl ausgeht ist auch nicht weiter überraschend, die ersten Vorhersagen gab es in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Diese beiden Probleme, die Ölkrise und die globale Erwärmung, bereiten zusammen den Boden für eine Nahrungsmittelkrise. Auf der einen Seite sorgt der Klimawandel dafür, dass es andere Temperaturen und mehr oder weniger Regen gibt. Die Bauern müssen sich an die neuen Bedingungen anpassen. Auf der anderen Seite verschlingen Trecker, Kunstdünger und der Transport von Lebensmitteln enorme Mengen Öl. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 26 Kalorien aus Öl gewonnen werden müssen um eine Kalorie Rindfleisch zu erzeugen. Die gemeinsame Folge dieser beiden Probleme ist daher, dass es weniger Nahrungsmittel zu verteilen gibt. Sie werden teurer, mit allen Problemen die im Moment im arabischen Raum zu besichtigen sind.

Zu diesem Komplex der Umweltprobleme im weiteren Sinne, die durchaus schon länger bekannt sind – es gibt seit dreißig Jahren sogar eine Partei die sich darum kümmert, gibt es natürlich auch noch eine Fülle von weiteren Katastrophen, wie die Überfischung der Meere.

Dazu kommt der demographische Wandel, der in den nächsten zehn Jahren bedeutet, dass Rentner einen höheren Anteil an der Bevölkerung haben. Finanziell bedeutet der demographische Wandel entweder sinkende Renten oder höhere Rentenbeiträge. Außerdem muss sich die Gesellschaft einem höheren Anteil von Rentner und weniger Kindern anpassen. Es werden mehr Altenpfleger und Ärzte gebraucht, aber weniger Lehrer. Der demographische Wandel ist auch keine neue Beobachtung, sondern er wurde bereits in den achtziger Jahren diskutiert.

Das sind Beispiele die die Volkswirtschaft deutlich belasten werden, von denen wir wissen, dass sie mit hoher Sicherheit akut werden und die seit langer Zeit bekannt sind. Man sollte aber die Geschichte nicht mit einem Mangel an Phantasie beleidigen, es gibt, wahrscheinlich, „Unknown-Unknowns.“ Entwicklungen, die heute nicht bekannt sind, die aber wichtig werden. Ein Beispiel könnten 3D Drucker sein, eine Technologie die heute ihr Potential erahnen lässt. Ein Szenario wäre, dass in zehn Jahren 3D Drucker in jedem Haushalt stehen und nur noch komplexe, technische Geräte und „Tinte“ gekauft werden. In einem solchen Szenario können viele Firmen ihre Produkte nicht mehr verkaufen. Zumindest legt das Schicksal der Musikindustrie den Schluß nahe, dass Märkte es nicht verzeihen wenn die Produktionsmittel in jedem Kinderzimmer stehen.

Die Politische Klasse hat auf die Herausforderungen nur sehr unzureichend reagiert. Das nicht aus einem Mangel an wissen, sondern aus einem Mangel an Mut. Stattdessen hat die Politik dieser List noch eine schwere Wirtschaftskrise hinzugefügt. Sie hat die Banken solange dereguliert und darüber hinaus Aktienmärkte mit „Volksaktien“ und Riester-Renten aufgeblasen, bis es eine schwere Bankenkrise gab, 2008. Danach hat sie aus einem eigentlich kleinen Problem, Griechenland – ca. 3% des BIP der Eurozone, einen Flächenbrand entstehen lassen. Und das alles in einer Zeit in der es angezeigt gewesen wäre, die Wirtschaft zu stabilisieren um lange bekannte Probleme zu umgehen.

Posted in Politik, Umwelt, Zukunft | No Comments »

Zwei kurze Gedanken

October 11th, 2010

Eigentlich zwei lange Gedanken, die jedesmal wenn ich in letzter Zeit etwas bloggen wollte das Posting haben anschwellen lassen bis ich keine Zeit mehr hatte:

  • Staaten lösen sich auf. Symptome davon sind S21 und die Resonanz auf Thilo Sarrazins Buch auf der einen Seite. Und auf der anderen Seite die theoretische Frage, ob im Angesicht von Stuxnet ein souveräner Akteur noch Land braucht.1
  • Kann die Komplexität moderner Gesellschaften noch gemanagt werden? Das hängt etwas abstrakter mit den obigen Punkten zusammen. Wenn sich die Gesellschaft immer mehr ausdifferenziert, wie funktioniert noch Politik. Sind bromierte Flammschutzmittel eine sinnvolle Idee? Kann die politische Meinung von jemandem ernst genommen werden, der strukturierte Wertpapiere nicht versteht?
  1. Souverän im Sinne von realpolitischer Souveränität, das man Interessen durchsetzen kann. []

Posted in Politik, Zukunft | 1 Comment »

Roboter Qualle

July 18th, 2009

Wow… (via William Gibson)

Posted in Zukunft | No Comments »

Zitat des Tages

April 26th, 2009

[...] bis wir »Buch« nur noch gebrauchen wie heute die »Feder« der Autoren.

Jürgen Neffe

Auf Zeit.de macht sich Jürgen Neffe einige, bemerkenswert lesenswerte, Gedanken über die Zukunft des Buches.

Posted in Bücher, Zukunft | No Comments »

Nur ein Link

February 28th, 2009

Manchmal finden sich im Internet echte Perlen, die sowohl einsichtsvoll wie auch erstklassig geschrieben sind. Deshalb an dieser Stelle nur der Hinweis auf
The 21st century: FAQ von Charles Stross.

Posted in Zukunft | No Comments »

Zukunftsvisionen gestern und heute

January 27th, 2009

Ich habe momentan wenig Zeit, aber möchte trotzdem auf ein paar interessante Zukunftsvisionen aus verschiedenen Dekaden hinweisen. Zuerst von heute aus dem New Scientist

Eine Zusammenstellung von Science Fiction Gadgets, die heute bereits als Prototypen existieren. zum Beispiel Jet-Packs.

Ein Ausblick auf das Laptop von 2015, veröffentlicht im März 2008. Und teilweise überholt 2009.

We’ll look at our notebooks in a different light in 2015 as sequential red, green, blue LED backlighting replaces the cold cathode fluorescent lighting tubes found in today’s LCD screens. This technology will not only offer brighter images, but will also use less power.

Ein halbes Jahr später hat Heise genau dies vermeldet.

Und eine 40 Jahre ältere Vorhersage. Teilweise erstaunlich genau.

Computers also handle travel reservations, relay telephone messages, keep track of birthdays and anniversaries, compute taxes and even figure the monthly bills for electricity, water, telephone and other utilities.

Allerdings enthält es auch die typischen 60er Jahre Visionen, wie Raketen und Unterwasserurlaub.

Man sieht auch damals gab es schon teilweise richtige Vorhersagen:

Die Fabriken beschäftigen nur noch wenige Arbeiter. Roboter und Automaten ersetzen die menschliche Arbeitskraft. Die Menschen aber verwenden einen großen Teil ihrer freien Zeit darauf, an Fortbildungskursen teilzunehmen.

Damals galt das als Wünschenswert.

Posted in Zukunft | No Comments »

Die Zukunft in Bildern

November 16th, 2008

Eine 45 minütige Doku über Möglichkeiten der technischen Entwicklung (5 Teile auf youtube). Es ist einfach unglaublich was heute schon als Prototypen oder Designstudien existiert. Meine Lieblingsbeispiele aus dem Film sind das formverändernde Auto und der Roboter, der mit Nervenzellen gesteuert wird.

via Communist Robot.

Posted in Zukunft | No Comments »

Älteste Geschichte (Technik der 90iger)

May 12th, 2008

Ich sitze grade im Garten unter einem Baum. Und der Kauf eines WLAN-Routers hat sich schon bezahlt gemacht. Und wie ich hier nun so sitze, denke ich an das letzte Jahrtausend zurück. Damals mussten die Menschen sich entscheiden, entweder zu bloggen oder im Garten zu sitzen. Und wie ich nun meine Gedanken schweifen lasse, wundere ich mich, ist die Singularität schon da? Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, wie vor 20 Jahren wissenschaftlich gearbeitet wurde. Wie findet man ein relevantes Paper ohne arXiv und Spires?1 Aber nicht nur dort, vor 10 Jahren gab es kein Google, YouTube ist grade seit 2005 online. Und Handys sind auch erst seit dem D-Netz, also nach 1991, verbreitet.

Die weitere Entwicklung bleibt natürlich abzuwarten. Aber es erscheint mir nicht zu gewagt zu behaupten, dass Exoskelette (Video) in den nächsten Jahren das Maurerhandwerk revolutionieren. Mögen wir also weiter in solch interessanten Zeiten leben!

  1. Für nicht Physiker: arXiv ist ein preprint Archiv und Spires eine Suchmaschine für Veröffentlichungen in der Hochenergiephysik. Wenn mir also ein Paper genannt wird, zum Beispiel Spergel et al. google ich bei Spires nach Spergel. Dann lade ich mir gesuchte Paper von arXiv herunter. arXiv ist außerdem die zentrale Anlaufstelle um nachzugucken, welche neuen Veröffentlichungen es gibt. []

Posted in Computer und Technik | No Comments »